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Sportlerblut ist langlebig und anders

Sportlerblut ist langlebig und anders

4. April 2020 20:400 Kommentare

Mal etwas anderes als Corona: Sport ist gesund. Und wer seine Fitness hoch hält, verlängert sein Leben. Schon Kinder wissen das. Aber warum genau? Abgesehen von den Muskeln schaut der Stoffwechsel eines Sportlers so viel anders aus als eines mäßig Sport treibenden „Durchschnittsbürgers“? 

Das zu untersuchen ist nicht einfach. Denn jeder Mensch hat andere Voraussetzungen. Das betrifft das Alter, Geschlecht, Gewicht, Arbeitstätigkeit und einige andere Faktoren mehr. Was für den einen Grund-Fitness ist, bedarf für den anderen vielleicht intensivem Training. 

In 80 Tagen zur Fitness

Einem australischen Team von Wissenschaftlern scheint es jetzt aber gelungen zu sein, in ihrer Untersuchungsgruppe gleiche Voraussetzungen zu schaffen und zugleich nicht nur die Effekte einer einmaligen sportlichen Belastung zu prüfen, sondern auch die nach regelmäßigem intensiven Training, ohne dass es sich bei den Probanden um Leistungssportler handelte. Der Vergleich des Stoffwechsels vor einem 80 Tage langen Trainingsintervall und danach fiel sehr viel größer aus, als es sich die Forscher vorgestellt hatten.  Er zeigt, dass regelmäßige Belastungen dabei helfen, typische Risikofaktoren für Alterskrankheiten des Körpers deutlich zu verkleinern. 

Als ideale Untersuchungsgruppe erschien John O’Sullivan von der Universität Sidney eine Gruppe von rund 500 jungen Rekruten die zu Beginn ihrer Wehrzeit ein regelmäßiges Sportprogramm absolvierte und ansonsten zusammen schlief, zusammen aß und in ganz ähnlichem Alter war. 

Insgesamt maßen die Stoffwechselforscher rund 200 Stoffwechselmoleküle im Plasma vor und nach dieser Zeit. 

Fettabbau statt Zuckerverbrennung

Die deutlichsten Veränderung stellten die Forscher beim Fettstoffwchsel fest. Die Fettsäurespiegel und jene von Ketonkörpern waren deutlich verringert. Ketonkörper sind Abbauprodukte, die in der Leber bei der Oxidation von Fettsäuren entstehen und als mobile Energiepakete in die Muskulatur oder im Gehirn gebraucht werden, wenn nicht ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Gerade bei längerem Training lernen Skelettmuskeln auf diese Weise, Energie sehr effektiv nicht nur aus der Zuckerzufuhr, sondern auch aus anderen Quellen zu gewinnen.  

Aber auch dazu braucht es Sauerstoff. Andere Metabolite, die im Plasma nach dem regelmäßigen Training erhöht waren, stammen aus dem Stickstoff-Monoxid (NO)-Stoffwechsel, Arginin und Ornithin. Die hohen Konzentrationen der beiden Aminosäuren weisen auf vermehrte NO Synthese hin. NO sorgt für erweiterte Gefäße, aber nicht nur das. Auch als Inhibitor gefährlicher Radikale im Blut und bei der Immunabwehr spielt das Molekül eine wichtige Rolle. 

Die Forscher maßen auch Stoffwechselverbindungen, die vom Körper selbst gar nicht hergestellt werden können. Indol-3-Propionsäure stammt aus der Tryptophan-Synthese vom Darmmikroben. Auch diese Verbindung wird eine Barrierefunktion für das Darmepithel nachgesagt, die das Eindringen unerwünschter Mitbewohner in den Blutstrom verhindert. 

Fitness-Marker für Herz-Kreislauf-Erkrankung

Als eine der wichtigsten Stoffwechselprodukte bestimmten die Wissenschaftler Dimethylguanidino-Valeriansäure (DGMV) Schon in früheren Studien hatte sich gezeigt, dass diese Verbindung eine ungenügende Anpassung an körperliche Anforderungen anzeigt. DGMV ist mit einem ungesundem Zuviel an Körperfett verbunden und dementsprechendem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch ungenügendes Ansprechen auf Insulin – also die Neigung zum Diabetes oder Arteriosklerose – ist ebenfalls mit höheren DGMV-Plasmawerten verknüpft. Besonders bei stark zuckerbasierter Ernährung mit wenig Gemüse konnte man bisher erhöhte Spiegel dieses Moleküls messen. 

Warum war den Forschern diese Substanz so wichtig? Er zeigte ihnen jene Teilnehmer der Studie an, deren Stoffwechsel sich trotz Training nicht nicht zum Positiven hin veränderte. „DMGV-Spiegel sind vom Erbgut und  der Ernährung abhängig“, so O’Sullivan. „Wir messen ihn, um jene Menschen zu erkennen, bei denen wir Alternativen zum Sport finden müssen, um deren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.“ 

Dass regelmäßiger Sport das Leben verlängern kann, ist schon länger bekannt. Die Untersuchungen von John O’Sullivan und seinem Team zeigen aber uns aber wieder ein bisschen genauer, warum das so ist. 

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